Inseln der Ruhe: Abspülen

Wer mehr kontemplative Momente in seinem Leben haben möchte, der sollte seine Spülmaschine verkaufen und selbst abspülen. Denn während die Hände beschäftigt sind, ist der Kopf frei. Man gewinnt einige müßige Minuten im Tagesablauf, nur begleitet vom leisem Klappern des Geschirrs und dem Plätschern des Spülwassers.

Ich gebe zu, dass dies eher ein Ratschlag für Ein- oder Zweipersonenhaushalte ist, denn bei Familien kann die Angelegenheit schnell zu Arbeit ausarten. Solange aber der Vorrat an schmutzigen Geschirr übersichtlich ist, ist alles in ein paar Minuten erledigt, während man seinen Gedanken nachhängt.

Diese Insel der Muße eintauschen gegen eine Maschine, die Geld kostet, Platz verschwendet und Strom frisst? Niemals!

Über die allmähliche Prüfung von Ideen beim Bloggen

Vor gut 200 Jahren grübelte Heinrich von Kleist über ein algebraisches Problem. Es wollte sich einfach keine Lösung finden lassen. Dann versuchte er seiner Schwester – die keine Ahnung von Mathematik hatte – das Problem zu erklären … und kam während des Sprechens auf die Lösung. Später schrieb er ein kleines Essay – Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden – über seine Erfahrung. Er führte sie darauf zurück, dass die Anwesenheit eines Gesprächspartners dazu zwingt das Problem strukturiert darzustellen. Durch genau diese Strukturierung wird der Weg zur Lösung, die vorher vielleicht vage im Kopf herumschwirrte, geebnet.

Etwas analoges geschieht beim Bloggen. Indem ich mich an eine Öffentlichkeit wende, zwinge ich mich zu einer strukturierten Darstellung eines Themas. Das führt nicht nur zu gelegentlich überraschenden neuen Gedanken, sondern vor allem zu einer besseren Prüfung von vermeintlich verstandenen Dingen. Im Kopf mag eine Idee oberflächlich ganz klar sein. Trotzdem türmen sich immer wieder mal Widerstände auf, wenn sie einem Dritten erklärt werden soll. Hier ist etwas vage, dort stimmt eine Schlussfolgerung nicht. Das Blog zwingt an der Stelle die Gedanken zu klären und hilft im Sinne Kleists Lösungen zu finden. Es funktioniert dabei besser als private Aufzeichnungen, die ja nur mich selbst als Publikum haben. Ein Publikum, das glaubt schon alles verstanden zu haben.

So gesehen ist ein Blog, selbst wenn es kaum jemand liest, ein hervorragendes Denkwerkzeug. scaldra.de ist für mich jedenfalls genau das.

Quellen

Aktion für das Glück

Eine gute Idee: die Action For Happiness will die Menschen glücklicher machen. Nicht einfach nur so ins Blaue hinein, sondern basierend auf gesicherten Erkenntnissen und mit einer starken Ausrichtung auf gesellschaftliche Veränderungen. Denn es ist erschreckend, dass zwar der Wohlstand in den letzten Jahrzehnten gewachsen ist, aber die Zufriedenheit mit dem eigenen Leben nicht.

Für ein ersten Überblick empfiehlt sich dieser Artikel bei der Zeit. Und ansonsten kann man auf der Website der Aktion jede Menge Tipps bekommen, wie man selbt glücklicher wird und dabei auch noch die Menschen um einen herum glücklicher macht.

via imgriff.com

Nahrungsergänzungen

Unter dem vielsagenden Titel Snake Oil? (was in etwa Wundermittel meint) haben einige nette Menschen eine hübsche Infografik zu den häufigsten Nahrungsergänzungen gebastelt. Aus ihr wird nicht nur die Beliebtheit, sondern – noch viel wichtiger – die wissenschaftlichen Beweise visualisiert. So lernt man auf einen Blick, dass Folsäure oder grüner Tee sinnvolle Sachen sind. Kupfer, Vitamin A, Beta Carotin hingegen erweisen sich bei normaler Ernährung als nutzlos.

Auch wichtig: niemand muss der Grafik einfach vertrauen, denn die zugrundeliegenden Daten sind ebenfalls zugänglich.

Für mich ist jetzt der einzige Haken die Diskrepanz zwischen gesunder Ernährung und Kantinenessen. Ich werde den Verdacht einfach nicht los, dass bei normalen Kantinenessen ebend doch Nahrungsergänzungen notwendig sind. Meine Schlußfolgerung daraus ist daher auch eher etwas unkonventionell: Gesunde Sachen von zu Hause mitnehmen und häufiger auf die Kantine verzichten.

Wie man 100 Jahre alt wird

Wer der Frage nachgeht, wie man ein hohes Alter erreicht, kann das auf verschiedene Weisen tun. Eine Methode ist, dass man sich anschaut, was Menschen gemeinsam haben, die 100 Jahre alt geworden sind. Zwei der bekannteren Projekte, die diesen Ansatz verfolgen, sind die New England Centenarian Study und die Okinawa Centenarian Study in Japan.

Die wichtigsten Erkenntnisse aus den Studien lassen sich in ein paar kurzen Sätzen zusammenfassen.

Die Hunderjährigen sind

  • Nichtraucher.
  • selten übergewichtig, sondern eher schlank und agil. Überraschend dabei: die Ernährungsgewohnheiten (Vegtarierer, fettreich essen etc.) spielen keine Rolle. Trotzdem schadet es nicht sich passend zu ernähren.
  • haben ein optimistisches Selbstvertrauen und eine eher entspannte Einstellung zum Leben, allerdings ohne dass sie sich dadurch zu allzu grossen Risiken verführen zu lassen.
  • können gut mit Stress umgehen. Sie begegnen in ihrem Leben zwar den gleichen Stressfaktoren, können sie aber besser wegstecken.
  • haben die Langlebigkeit schon in ihren Genen. Wenn die Vorfahren alt geworden sind, werden oft auch die Nachkommen alt.
  • meist gesund; sie sind also älter, aber nicht kränker geworden.
  • sind noch im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte und leiden nicht an einer mentalen Störung wie Alzheimer.

Die gute Nachricht für all diejenigen, deren Vorfahren nicht steinalt geworden sind: die Genetik spielt nur zu etwa 30% eine Rolle. Den Rest hat jeder selbst in der Hand. Einem hohen Alter steht also nichts im Weg, natürlich immer vorausgesetzt, dass man keinen schweren Unfall hat oder sich eine fiese Krankheit einfängt.

Ein Fazit aus den Studien ist also, dass die Hundertährigen nicht nur länger leben, sondern dass ihre Lebensqualität ebenfalls höher ist. Es gibt schlechtere Vorbilder …

Wer nach all dem wissen will, wie alt er denn vermutlich werden wird, der kann es mit dem Life Expectancy Calculator herausfinden. Er fasst die Ergebnisse diese und weiterer Studien in Form eines Online-Fragebogens zusammen. Die anschliessende Auswertung teilt nicht nur die voraussichtliche Lebenserwartung mit, sondern gibt auch konkrete Tipps inklusive der Jahre, die man dadurch gewinnt.

Aber bitte nicht vergessen: das ist immer noch Statistik: Niemand wird mit präzise 87,5 Jahren tot umfallen, auch wenn das die Prognose ist. Als Hinweis, ob man mit seiner Lebensführung auf einem guten Weg ist, taugt es dennoch.

Wie man langsam dicker wird …

… oder auch nicht. Im Schnitt werden wir jedes Jahr 380g dicker. Das klingt nicht nach viel, sind aber 7,6kg in 20 Jahren. Das ist das Ergebnis einer Studie der Harvard School of Public Health, die wiederum auf den Daten von drei Langzeitstudien basiert. Die statistische Untermauerung der Fettpölsterchen spätestens jenseits der 40.
Glücklicherweise ist bei der Studie auch herausgekommen, dass es nicht nur aufwärts, sondern auch durchaus abwärts mit dem Gewicht gehen kann. Isst man die folgenden Sachen täglich, so geht es mit dem Gewicht entsprechend nach oben oder unten:

Kartoffelchips +191 Gramm
Kartoffeln +145 Gramm
Süssigkeiten +113 Gramm
Fleisch +106 Gramm
Gemüse −25 Gramm
Vollkornprodukte −42 Gramm
Früchte −56 Gramm
Nüsse −65 Gramm
Yoghurt −93 Gramm

Auf ein Jahr gerechnet nicht viel, aber nach zehn Jahren ist der Rettungsring da … oder auch nicht. Die Ironie bei der Sache ist, daß die Sachen, die bei der Gewichtsreduktion helfen, auch gleich noch gesünder sind. Und niemand muss sich einschränken; es ist völlig in Ordnung viele Früchte oder Vollkornprodukte zu essen. Eine Diät der Form “friss die Hälfte” ist gar nicht notwendig.

Wer dazu noch Sport treibt und regelmäßig nicht weniger als 6, aber auch nicht mehr als 8 Stunden schläft, der hat beste Chancen rank und schlank zu bleiben.