Der Kampf um die Aufmerksamkeit spielt sich in drei Schritten ab. Es beginnt mit einem interessanten Reiz. 1) Der Locus caeruleus setzt daraufhin Noradrenalin frei; unser Pulsschlag steigt und wir spüren eine wohlige Erregung.
2) Die Wahrnehmung orientiert sich auf den Reiz hin.
3) Zum Schluss steht er im Zentrum unserer Aufmerksamkeit; konkurrierende Reize werden ausgeblendet.
Aber der Zustand der Konzentration hält – wie jeder aus eigener Erfahrung weiß – nicht beliebig lang an. Gelangt ein neuer Reiz durch den Aufmerksamkeitsfilter, dann beginnt das Spiel von neuem und wir wenden uns einer anderen Sache zu. Nicht zuletzt, weil unsere Körperchemie uns mit einer neuen Dosis Noradrenalin versorgt. Erschwerend kommt hinzu, dass nach ein paar schnellen Durchläufen dieses Systems die höheren Aufmerksamkeitsfunktionen gehemmt werden; Störungen werden kaum noch ausgeblendet.
Jeder, der schon einmal zappend vor dem Fernseher gesessen hat, kennt den Effekt: Je länger man zappt, umso schwieriger wird es sich auf ein Programm festzulegen. Am nächsten Tag wird man kaum noch sagen können, was man eigentlich im Fernsehen gesehen hat.
Je weniger die Aufmerksamkeit fokussiert wird, um so mehr rauschen das Leben an uns vorbei. Wir sind zwar gut beschäftigt und fühlen uns sogar recht wohl dabei, aber im Nachhinein stellt sich ein Kater ein: Stunden und Tage, die spurlos aus dem Gedächtnis verschwunden sind. Und genauso unangenehm: wir bekommen wesentlich weniger erledigt, wenn wir uns ständig ablenken lassen und vielleicht sogar versuchen mehrere Dinge gleichzeitig zu tun.
Wie stark die Abhängigkeit von ständig wechselnden Reizen werden kann, zeigte sich bei einem Experiment mit Studenten. Sie sollten sich einen Tag mit Festnetztelefon und Büchern begnügen; keine Social Media, keine EMail, kein MP3-Player, kein Mobiltelefon. Ergebnis: sie fühlten sich Frustriert, gelangweilt, einsam …
Es hilft nichts: Wer etwas erledigt bekommen will und sich ein Leben mit möglichst vielen Erfahrungen gönnen möchte, der darf nur eins nach dem anderen machen und muss sich darauf konzentrieren.
Ich sage nicht, dass das einfach ist.