Über die allmähliche Prüfung von Ideen beim Bloggen

Vor gut 200 Jahren grübelte Heinrich von Kleist über ein algebraisches Problem. Es wollte sich einfach keine Lösung finden lassen. Dann versuchte er seiner Schwester – die keine Ahnung von Mathematik hatte – das Problem zu erklären … und kam während des Sprechens auf die Lösung. Später schrieb er ein kleines Essay – Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden – über seine Erfahrung. Er führte sie darauf zurück, dass die Anwesenheit eines Gesprächspartners dazu zwingt das Problem strukturiert darzustellen. Durch genau diese Strukturierung wird der Weg zur Lösung, die vorher vielleicht vage im Kopf herumschwirrte, geebnet.

Etwas analoges geschieht beim Bloggen. Indem ich mich an eine Öffentlichkeit wende, zwinge ich mich zu einer strukturierten Darstellung eines Themas. Das führt nicht nur zu gelegentlich überraschenden neuen Gedanken, sondern vor allem zu einer besseren Prüfung von vermeintlich verstandenen Dingen. Im Kopf mag eine Idee oberflächlich ganz klar sein. Trotzdem türmen sich immer wieder mal Widerstände auf, wenn sie einem Dritten erklärt werden soll. Hier ist etwas vage, dort stimmt eine Schlussfolgerung nicht. Das Blog zwingt an der Stelle die Gedanken zu klären und hilft im Sinne Kleists Lösungen zu finden. Es funktioniert dabei besser als private Aufzeichnungen, die ja nur mich selbst als Publikum haben. Ein Publikum, das glaubt schon alles verstanden zu haben.

So gesehen ist ein Blog, selbst wenn es kaum jemand liest, ein hervorragendes Denkwerkzeug. scaldra.de ist für mich jedenfalls genau das.

Quellen

Fünf gute Gründe für die Stadtbibliothek

Als Kind und Jugendlicher besaß ich einen Ausweis für die Stadtbibliothek und nutze ihn auch gut aus. Nicht nur für Bücher, sondern auch um diverse Zeitschriften zu lesen für die ich damals nicht genug Geld hatte. Als Student dann stand mir der Zugang zur Universitätsbibliothek offen: jede Menge Fachliteratur, aber keine Belletristik mehr.
Es folgten eine lange Pause, bis ich mir vor einigen Jahren zusammen mit meiner Frau wieder einen Ausweis für die Stadtbibliothek besorgte. Nur ein paar Euro jedes Jahr, die sich unterm Strich als sehr lohnend erweisen.
Daher einfach mal ein fünf gute Gründe für einen Leihausweis:

  1. Man kann sich stapelweise Bücher ausleihen. Einfach mal ein Buch nach einem schönen Cover oder aufgrund eines interessanten Klappentextes ausleihen. Oder zwei oder drei. Kaufen würde ich sie auf der Basis von so vagen Hinweisen eher nicht. Aber ausleihen. Wenn es mir nicht gefällt, was soll’s. Aber meist gefällt es und und gelegentlich ist etwas überraschend Neues dabei, was von meinen Lesegewohnheiten abweicht.
  2. Reiseführer. Ideal zum Ausleihen, denn man braucht sie vor und während einer Reise. Danach nicht mehr.
  3. Medien gibt es heutzutage in öffentlichen Bibliotheken auch, also CD’s und DVD’s. Zugegeben, der Action-Knaller wird sich eher selten in den Beständen finden, aber es bleibt genug, was sich auszuleihen lohnt. Und die Entleihfrist liegt typischerweise bei einer ganzen Woch.
  4. Nichts stopft mir nach dem Lesegenuß anschließend die Wohnung voll. Alles wird zurückgegeben.
  5. Und wenn denn ein Buch so toll ist, dass ich es unbedingt besitzen möchte, so kann ich es ja noch jederzeit kaufen.

Öffentliche Bibliotheken sind also für den praktizierenden Minimalisten wie geschaffen.

Wie man Bücher los wird

Die eigene Bibliothek verschafft ihrem Besitzer zwar einen schönen intellektuellen Touch, aber bei Licht betrachtet besteht sie oft zum größeren Teil aus Büchern, die nie wieder aufgeschlagen werden. Diese Bücher verbrauchen Platz, wollen regelmäßig abgestaubt werden und verursachen bei einem Umzug einen mörderischen Muskelkater.

Aber sie einfach wegwerfen? Da komme ich mir ja wie ein Bücherverbrennender Nazi vor. Es müssen Alternativen her.

Hier meine fünf Favoriten:

  • Der Marketplace von Amazon. Einfach das Buch mit dem geforderten Preis einstellen und hoffen, dass es jemand haben will. Aber Vorsicht: es gehen noch mal Versandgebühren ab. Lohnt sich unterm Strich nur für teurere Bücher
  • Die Alternative ist Booklooker; eher für wirklich antiquarische Bücher geeignet.
  • Über Momox wird es noch einfacher: Einfach via ISBN prüfen, wieviel Momox dafür gibt, dann alle Bücher in einen Karton packen und portofrei wegschicken. Nicht ganz so lukrativ, aber simpel
  • Bücher “frei lassen”; auch eine nette Idee. Mehr darüber verrät BookCrossing
  • Spenden. Der Wohlfahrt, einer Gefängnisbibliothek, wem auch immer

Das alles geht ohne schlechtes Gewissen und man kann sogar noch ein paar Cent erwirtschaften.