Über die allmähliche Prüfung von Ideen beim Bloggen

Vor gut 200 Jahren grübelte Heinrich von Kleist über ein algebraisches Problem. Es wollte sich einfach keine Lösung finden lassen. Dann versuchte er seiner Schwester – die keine Ahnung von Mathematik hatte – das Problem zu erklären … und kam während des Sprechens auf die Lösung. Später schrieb er ein kleines Essay – Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden – über seine Erfahrung. Er führte sie darauf zurück, dass die Anwesenheit eines Gesprächspartners dazu zwingt das Problem strukturiert darzustellen. Durch genau diese Strukturierung wird der Weg zur Lösung, die vorher vielleicht vage im Kopf herumschwirrte, geebnet.

Etwas analoges geschieht beim Bloggen. Indem ich mich an eine Öffentlichkeit wende, zwinge ich mich zu einer strukturierten Darstellung eines Themas. Das führt nicht nur zu gelegentlich überraschenden neuen Gedanken, sondern vor allem zu einer besseren Prüfung von vermeintlich verstandenen Dingen. Im Kopf mag eine Idee oberflächlich ganz klar sein. Trotzdem türmen sich immer wieder mal Widerstände auf, wenn sie einem Dritten erklärt werden soll. Hier ist etwas vage, dort stimmt eine Schlussfolgerung nicht. Das Blog zwingt an der Stelle die Gedanken zu klären und hilft im Sinne Kleists Lösungen zu finden. Es funktioniert dabei besser als private Aufzeichnungen, die ja nur mich selbst als Publikum haben. Ein Publikum, das glaubt schon alles verstanden zu haben.

So gesehen ist ein Blog, selbst wenn es kaum jemand liest, ein hervorragendes Denkwerkzeug. scaldra.de ist für mich jedenfalls genau das.

Quellen

Üben, üben, üben

Ein wichtiger Bestandteil der Lebenskunst ist seit der Antike das Einüben von Denkmustern. Die Philosophen jener Zeit – die heute vermutlich unter der Berufsbezeichnung Coach arbeiten würden – gaben ihren Klienten diverse Übungen mit in den Alltag. Gelassenheit, Anspruchslosigkeit etc. sollten damit trainiert werden.
Die Idee dahinter ist einfach: wer immer wieder geübt hat bei kleineren Problemen gelassen zu bleiben, der hat einfach eine besser Chance auch bei größeren Herausforderungen ruhig zu bleiben. Das Gleiche, was für Sport, Sprachen, einfach alles Erlernbare gilt, trifft auch für die Lebenskunst zu: Üben!

Also brauche ich neben diesen netten Artikeln kleine Trainingseinheiten für Lebenskunst. In den Texten wird nachgedacht und begründet; die Übungen transportieren das für richtig Befundene in den Alltag. Das können regelmäßige Momente der Reflektion sein um eigene Handlungen und Denkmuster bewusst zu machen und beeinflussen zu können. Das könnte aber auch ganz praktisch sein wie täglich ein Stück Obst zu essen oder eine Viertelstunde spazieren zu gehen.

Aber wie lange dauert es, bis solche Übungen zu einem Erfolg führen, etwas zur Gewohnheit werden lassen? Das hängt sicher davon ab, wie kompliziert die Sache ist und natürlich spielt die eigene Motivation eine große Rolle. Für Obst essen, Spaziergänge oder Situps machen gibt es sogar eine empirische Antwort:

Phillippa Lally vom University College in London hat sich damit in einer Studie befasst. 96 Menschen sollten gesünder leben und die gerade beschriebenen Dinge tun. Sie fand heraus, dass man zwar durchaus mal eine Trainingseinheit schwänzen darf, dass es aber andererseits auch im Schnitt 66 Tage dauerte, bis etwas zur Gewohnheit wurde. Und je komplexer die Sache wurde, um so länger dauerte es.

Fazit: Es geht zwar nicht von heute auf morgen, aber mit etwas Training kann man etwas verändern.

Laterales Denken

“Laterales Denken” ist das Etikett für einige Kreativitätstechniken, die sich der Psychologe Edward de Bono ausgedacht hat. Er erforscht seit den siebziger Jahren die menschliche Kreativität und hat daraus interessante Schlüsse gezogen. Im Kern geht es um ein gleichberechtigtes Miteinander von streng logischem, seriellen Denken und einem emotionalen, sprunghaften Denken. Dahinter steht die Einsicht, dass mir Logik nichts hilft, wenn ich zu neuen Sichtweisen eines Problems kommen will, aber andererseits ohne Logik dasselbe Problem auch nicht lösen kann.
Als ersten Eindruck hier ein paar Eckpunkte, die auch schon für sich genommen beim Lösen von Problemen nützlich sind:
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