Vor gut 200 Jahren grübelte Heinrich von Kleist über ein algebraisches Problem. Es wollte sich einfach keine Lösung finden lassen. Dann versuchte er seiner Schwester – die keine Ahnung von Mathematik hatte – das Problem zu erklären … und kam während des Sprechens auf die Lösung. Später schrieb er ein kleines Essay – Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden – über seine Erfahrung. Er führte sie darauf zurück, dass die Anwesenheit eines Gesprächspartners dazu zwingt das Problem strukturiert darzustellen. Durch genau diese Strukturierung wird der Weg zur Lösung, die vorher vielleicht vage im Kopf herumschwirrte, geebnet.
Etwas analoges geschieht beim Bloggen. Indem ich mich an eine Öffentlichkeit wende, zwinge ich mich zu einer strukturierten Darstellung eines Themas. Das führt nicht nur zu gelegentlich überraschenden neuen Gedanken, sondern vor allem zu einer besseren Prüfung von vermeintlich verstandenen Dingen. Im Kopf mag eine Idee oberflächlich ganz klar sein. Trotzdem türmen sich immer wieder mal Widerstände auf, wenn sie einem Dritten erklärt werden soll. Hier ist etwas vage, dort stimmt eine Schlussfolgerung nicht. Das Blog zwingt an der Stelle die Gedanken zu klären und hilft im Sinne Kleists Lösungen zu finden. Es funktioniert dabei besser als private Aufzeichnungen, die ja nur mich selbst als Publikum haben. Ein Publikum, das glaubt schon alles verstanden zu haben.
So gesehen ist ein Blog, selbst wenn es kaum jemand liest, ein hervorragendes Denkwerkzeug. scaldra.de ist für mich jedenfalls genau das.
Quellen