Schreiben

Mit der Kulturtechnik des Schreibens hat man die Möglichkeit seine Gedanken zu fixieren. Sie gehen nicht mehr im Strudel des Vergessens unter, sondern können jederzeit hervorgezogen werden und als Grundlage für neue Gedanken benutzt werden.

Jeder, der schon mehr als Einkaufszettel geschrieben hat, weiß, daß das Schreiben nicht einfach ist. Über die manuelle Tätigkeit muß sich kaum jemand Gedanken machen. Sie wurde schon in der Grundschule vermittelt. Schwierig wird es in dem Moment, in dem man sie zu Papier bringen will.Was im Kopf noch ganz klar war, sträubt sich plötzlich dagegen, aufgeschrieben zu werden. Um etwas schriftlich fixieren zu können, muß es erst zu Ende gedacht werden, die mäandrierenden Gedankenläufe gebändigt werden.
Das Schreiben hilft auf diese Weise Ordnung in die Gedanken zu bringen.

Excerpte
Immer wieder stosse ich auf Sätze oder kurze Textabschnitte, die mir einen neuen Aspekt einer Sache mitteilen oder etwas genau auf den Punkt bringen. Belasse ich es dabei sie nur gelesen zu haben, dann werden sie auch bald vergessen sein.
Bestenfalls weiss ich noch, dass es es zu dem Thema etwas sehr Treffendes von irgendjemand gibt (und dass ich es vielleicht sogar unterstrichen habe), aber das ist dann auch schon alles.
Aber mit dem schlichten Kopieren der Worte eines anderen Menschens sollte es nicht getan sein. Der eigene Kommentar ist genauso wichtig, die Übertragung und der Bezug zum eigenen Leben.

Tagebücher
Tagebücher erfüllen gleich mehrere Zwecke. Zunächst einmal sollen sie den Reichtum des eigenen Lebens dokumentieren. Wahrscheinlich werden die Meisten ihr Leben für gar nicht so reich, sondern eher für abwechslungslos und banal halten. Aber jeder, der zum Beispiel die letzten zehn Monate Revue passieren lässt, wird auf Besonderheiten stossen, Geschehnisse abseits der Routine. Aber erst mit der schriftlichen Gedächtnisstütze lässt sich der Reichtum an Eindrücken erschliessen.
Wer sein Tagebuch gelegentlich zur Hand nimmt und aufmerksam liest, dem werden Muster auffallen. Muster, wie sich meine Mitmenschen verhalten und Muster, wie ich reagiere. Situationen und Gedanken, die sich immer wieder wiederholen.
Das Tagebuch wirkt an diesem Punkt also mindestens positiv auf die Selbsterkenntnis und gelegentlich als Korrektiv.
Eine Sonderform der Tagebücher darf nicht unerwähnt bleiben: Glückstagebücher. Sie werden von Psychologen für melancholische und leicht depressive Menschen empfohlen. Sie sollen täglich mit Glücksmomenten gefüllt werde, seien sie auch noch so klein. Offensichtlich besteht ihre Rolle hauptsächlich darin, als Korrektiv für eine zu negative Weltsicht zu wirken. Das hat nichts damit zu tun sich etwas schön zu reden. Es ist einfach der Ausgleich für die negative Wahrnehmung.