Der Königsweg zum Glück lief für die meisten antiken Philosophen auf Folgendes hinaus: Passe nicht die Umwelt deinen Bedürfnissen, sondern deine Bedürfnisse der Umwelt an.
Vor allem in christlich geprägten Ländern sind die Menschen im Sinne eines “macht euch die Welt untertan” vom Gegenteil überzeugt. Die Welt scheint mit Hand und Wort den eigenen Bedürfnissen anpassbar zu sein, während diese wiederum angeboren und damit festzustehen scheinen.
Stellen sie sich eine Wippe vor. Auf der rechten Seite stapeln sich die Bedürfnisse (vermeintlich von ganz allein). um die Wippe ins Gleichgewicht zu bekommen, müssen sie auf der linken Seite die Befriedigungen dieser Bedürfnisse aufstapeln. Wenn also beispielsweise auf der rechten Seite Hunger und Durst Platz nehmen, so müssen sie auf der linken Seite etwas zu essen und zu trinken legen. Das ist – jedenfalls in unseren Breitengraden – nicht sonderlich schwierig.
Ganz anders sieht die Situation aus, wenn ihre Bedürfnisse teure Konsumgüter enthalten. Hier haben sie alle Hände voll zu tun die Wippe wieder ins Gleichgewicht zu bekommen. Noch schwieriger wird es bei “weichen” Zielen wie Ruhm und Ehre. Bei ihnen lässt sich nicht genau sagen, wann sie befriedigt sind. Sie sind ein Garant dafür, dass die Wippe niemals ins Gleichgewicht kommt, egal was sie auf der linken Seite aufstapeln.
Um die Wippe immer im Gleichgewicht halten zu können, müssen sie Herr über ihre Bedürfnisse werden. Bedürfnislosigkeit ist dabei nicht das Ziel, sondern durch bewusste Entscheidung Bedürfnisse zuzulassen oder eben nicht. Nur so gelingt es ohne Über- oder Unterforderung das Gleichgewicht immer aufrecht zu erhalten.
Aber das nur wenige Bedürfnisse angeboren sind, zeigt die Existenz der milliardenschweren Werbeindustrie, die ständig neue erfindet und versucht, sie in unsere Köpfe zu pflanzen.